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Urbana Energiedienste GmbH hat alle Hintergrundprozesse sicher im Griff

Nach einem spannenden IT-Projekt hat die Urbana Energiedienste GmbH alle Hintergrundprozesse sicher im Griff. Sorgen bereitet die wechselhafte Rechtslage.

Mieterstrom gilt als Instrument, das die Energiewende zu den Endverbrauchern im Mehrgeschosswohnungsbau bringt. Die Urbana Energiedienste GmbH in Hamburg hat das Potenzial früh erkannt und Mieterstrom zum strategischen Geschäftsfeld entwickelt. So ist der Energiedienstleister für die Wohnungswirtschaft inzwischen auch als Vor-Ort-Stromversorger aktiv. Gestartet in Berlin im Frühjahr 2014, hat Urbana heute bundesweit Mieterstrom-Projekte auf Basis eigener Blockheizkraftwerke (BHKW) realisiert – weitere sind in Planung. Die komplexen organisatorischen und kaufmännischen Prozesse hinter der Mieterstromversorgung beherrscht Urbana nach eigener Aussage heute zuverlässig. „Mit jedem weiteren Projekt, auf das wir unser System ausrollen, werden wir schneller und effizienter“, berichtet IT-Leiter Kay Wilke entspannt.

PARTNER GEWECHSELT  

Der Weg dahin war allerdings kurvenreich. 2013 hatte sich Urbana mit einem namhaften Systemhaus auf den Weg gemacht, Mieterstromprozesse in einer neuen IT-Landschaft abzubilden und zu unterstützen. Als Billing- und EDM-Software kam SAP zum Einsatz. Im Mai 2014 startete der Mieterstromvertrieb beim Pilotprojekt mit einer Berliner Wohnungsbaugesellschaft. Als das Systemhaus Anfang 2015 beschloss, aus dem Geschäft der IT-Lösungen für Mieterstrom auszusteigen, musste Urbana sich kurzfristig neu orientieren. Die Hamburger wandten sich an die Somentec Software GmbH, deren Billing-Lösung XAP sie bereits seit 1997 für die Wärmeabrechnung einsetzten. Das Softwarehaus aus dem südhessischen Langen signalisierte, dass man sich die Mieterstromabrechnung zutraue, und sprang kurzfristig in die Bresche. Die bei Urbana schon im Gasbereich eingesetzte EDM-Lösung e-Sales von Robotron sollte mit XAP das neue Lösungsgespann werden.  

Unter hohem Zeitdruck wurde das IT-Projekt mit den neuen Protagonisten zwischen Februar und April 2015 durchgeführt. Pünktlich zum Zieltermin 1. Mai 2015 war der Systemwechsel abgeschlossen und das neue System einsatzbereit. Allerdings zunächst mit einer Übergangslösung auf der Marktkommunikationsseite: Weil die Schnittstellen zwischen XAP und e-Sales in der Kürze der Zeit nicht vollständig aufgebaut werden konnten, brachte Somentec für die Marktkommunikation Compello EDI mit. Die Software der Ismaninger Compello GmbH fungiert als Standard-Marktkommunikations-Tool für XAP, ihr Zusammenspiel ist in zahlreichen Anwendungen erprobt. Anfang August 2015 wurde die Interimslösung planmäßig durch e-sales abgelöst. Der Systemwechsel fand - von den Mieterstromkunden unbemerkt - im Hintergrund statt.  

FLEXIBLE SYSTEME GEFRAGT  

Während in eSales Bilanzierung und Marktkommunikation durchgeführt werden, unterstützt XAP das Kunden- und Vertragsdatenmanagement, die Verbrauchsabrechnung sowie das damit verbundene Abschlags- und Forderungsmanagement. Beide Systeme sind durch eine Schnittstelle eng miteinander verzahnt und funktionieren heute quasi wie eins.  

Dass Somentec kurzfristig habe einspringen können, sei einerseits der Flexibilität von XAP zu verdanken, berichtet Michael Kaufmann, bei Somentec vertriebsseitig für das Urbana-Projekt zuständig. "Andererseits zählen mehrere Arealnetzbetreiber im Industriebereich zu unseren Kunden, wo die Bilanzierungs- und Abrechnungsprozesse ähnlich gelagert sind. Dadurch konnten wir bei Urbana den Faden rasch aufnehmen und zielstrebig fortspinnen."  

UNTERSCHIEDLICHE MODELLE  

Wo liegen die Herausforderungen auf der Prozessseite? Der Hamburger Energiedienstleister unterscheidet zwischen zwei Lösungen zur Versorgung mit Mieterstrom. Zum einen gibt es die sogenannte Kundenanlage, also das im Besitz von Urbana befindliche Verteilnetz für die Stromversorgung im Quartier. Mit dem Stromnetz des örtlichen Netzbetreibers ist die Kundenanlage über einen Summenzähler verbunden. Daneben kommt in der Urbana-Praxis die "Vermarktung im räumlichen Zusammenhang" zur Anwendung. Hier gelangt der Strom über das Stromnetz des örtlichen Netzbetreibers zu den Verbrauchern. Der "räumliche Zusammenhang" beschreibt die Vorgabe, dass diese Form der Vermarktung nur in einem definierten Radius um das BHKW möglich ist.  

BILANZIERUNG IM FOKUS  

"Im Kern sind die Konstrukte 'Kundenanlage' und 'Vermarktung in räumlicher Nähe' eine Bilanzierungsaufgabe", meint Kay Wilke. Diese funktioniert in beiden Modellen ähnlich. Einerseits gibt es am BHKW einen Zähler, der die produzierte Strommenge misst. Andererseits hat jeder Mieter einen Stromzähler, der seinen Verbrauch festhält. Bei der Kundenanlage kommt ein Summenzähler an der Bilanzgrenze hinzu. Vom Gesamtverbrauch der Mieterstrombezieher werden die vom BHKW erzeugten Strommengen subtrahiert. Die Differenzmenge kauft Urbana am Markt aus erneuerbaren Quellen zu bzw. veräußert den über den aktuellen Bedarf der Kunden hinaus produzierten Strom. Für ihr Geschäft muss Urbana wie jeder andere Stromversorger auch Lastverläufe prognostizieren, einerseits für den vom BHKW erzeugten Strom, andererseits für den Verbrauch der eigenen Kunden, um die fehlende Reststrommenge möglichst wirtschaftlich einkaufen bzw. zu viel produzierten Strom verkaufen zu können.  

Diesen Strommix veräußert Urbana vor Ort als Mieterstrom. Für jedes Projekt wird nach einem festen Tarif abgerechnet, der mindestens 10 Prozent günstiger ist als der Strom vom örtlichen Grundversorger, so das Urbana-Versprechen. Durch die Stromversorgung in der eigenen Kundenanlage können Netznutzungsentgelte und gesetzliche Abgaben vermieden werden. Das macht das alternative Versorgungsmodell für beide Seiten wirtschaftlich attraktiv. Da bei der Vermarktung im räumlichen Zusammenhang das örtliche Verteilnetz in Anspruch genommen wird und deshalb weiterhin Netznutzungsentgelte zu entrichten sind, ist die Wirtschaftlichkeit dieses Modells schwieriger darzustellen.  

BEKANNTE MARKTMECHANISMEN

Bei der Vermarktung im räumlichen Zusammenhang werden Endkunden nach den üblichen Edifact-basierten Marktkommunikationsprozessen beim alten Lieferanten abgemeldet. Die Zählpunkte der Mieterstrombezieher sind dem Netzbetreiber aber weiterhin bekannt. Bei der Kundenanlage, wo der Lieferant Urbana zugleich Arealnetzbetreiber ist, besteht die Herausforderung in der Belieferung von Kunden dritter Stromlieferanten. Deren Stromverbrauch muss aus der am Summenzähler ermittelten Strommenge für das gesamte Quartier herausgerechnet und der individuelle Zählpunkt dem örtlichen Netzbetreiber bekannt gegeben werden. Dies ist nach entsprechender Urbana-Meldung beim Netzbetreiber aber weiterhin möglich, so dass der diskriminierungsfreie Zugang der Endverbraucher zum Strommarkt auch in Kundenanlagen gewährleistet bleibt.  

MIT SPITZEM BLEISTIFT  

Bei den Hamburgern ist man froh, die Prozesse rund um die Mieterstromversorgung IT-seitig sicher zu beherrschen. Wenn etwas die Stimmung trübt, dann sind es die unsteten Marktbedingungen. "Wir haben das Mieterstromprojekt 2013 unter völlig anderen rechtlichen Rahmenbedingungen gestartet als wie sie heute haben", bedauert Thomas Ahlborn, Leiter Marketing ‎bei Urbana. "Mieterstrom ist kein Selbstläufer." Heute müsse man jedes Projekt individuell und mit spitzem Bleistift rechnen. Das falle im Bereich der Kundenanlage deutlich leichter. Einerseits weil die Kalkulation durch die vermiedenen Netzentgelte in der Kundenanlage größere Spielräume biete, andererseits liege die Anschlussquote in Neubauobjekten bei annähernd 100 Prozent. "Im Bestandsquartier hingegen ist es weit schwieriger, die Menschen für das Thema Energie zu begeistern - auch wenn sie beim Mieterstrom kostenmäßig profitieren und dabei zugleich einen ökologischen Mehrwert schaffen." Aber, so Ahlborn, Mieterstrom werde weiterhin stark nachgefragt. "Und wenn man gegenüber einem Projektentwickler oder Bauunternehmer dieses Zusatzangebot machen kann - oft wird es als Mehrwert für deren Kunden sogar explizit verlangt -, hat man als Energielieferant einen wichtigen strategischen Vorteil."  

www.somentec.de

www.urbana.de