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Vereinfachter Marktzugang durch White-Label-Heizkostenabrechnung

Mit dem White-Label-Angebot, für andere kommunale Unternehmen und Marktteilnehmer dienstleistend die Heizkostenabrechnung für Kunden in der Wohnungswirtschaft zu übernehmen, scheinen die Stadtwerke Schwäbisch Hall einen Volltreffer gelandet zu haben. Bundesweit interessieren sich Unternehmen für das jüngste Kind der Produktfamilie im Dienstleistungsbereich unter der Marke Sherpa-X.

Auf der E-world 2019 hatten die Stadtwerke Schwäbisch Hall das neue Produkt erstmals der Fachöffentlichkeit präsentiert. Organisatorisch und technisch realisiert wird es in Kooperation mit der Minol Messtechnik W. Lehmann GmbH & Co. KG aus Leinfelden-Echterdingen, die im Hintergrund den Part der Installation und Ablesung der Messgeräte übernimmt. Die eigentliche Abrechnung liegt dienstleistend für andere Versorger in den Händen der Stadtwerke Schwäbisch Hall. Systembasis dafür ist „XAP.heizkosten“, die Branchenlösung von Somentec Software, Tochterunternehmen der Stadtwerke Schwäbisch Hall.

Für andere Energieversorger und Stadtwerke liegt der Charme des Konzeptes darin, dass sie mit vergleichsweise geringem Aufwand ein Produkt ins Vertriebsportfolio nehmen können, das ihnen in vielfältiger Weise weiterhilft. So nutzen die Unternehmen zwar eine in Teilen von externen Spezialisten bereitgestellte Prozesskette, bleiben aber gegenüber den Endkunden vor Ort der sichtbare Partner. Somit kann sich der lokale Versorger mit der Heizkostenabrechnung gegenüber der örtlichen Wohnungswirtschaft als vielseitiger, serviceorientierter Dienstleister profilieren. Damit verbunden sind zusätzliche Erlöse und – ganz wesentlich im zunehmend umkämpften Energiemarkt – ein starker Kundenbindungseffekt.

Kooperation, von der beide Seiten profitieren


Eine auf der Messe häufig gestellte Frage lautet: Warum arbeiten die Stadtwerke Schwäbisch Hall mit einem Messdienstleister für die Wohnungswirtschaft zusammen? „Submetering ist nicht so einfach, wie man sich das allgemein vorstellt“, begründet Dr. Rolf Weber vom PPR-Institut in Neu-Anspach die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. Der Branchenkenner hat die Stadtwerke Schwäbisch Hall bei der Produktentwicklung beraten und begleitet auch die operative Einführung. „Wenn jeder Versorger die benötigte Infrastruktur und alle Prozesse selbst aufbauen würde, wäre er zum Scheitern verurteilt. Warum ist das so? Die Dienstleistung Heiz- und  Warmwasserkostenabrechnung besteht aus drei wesentlichen Leistungsbereichen: dem  Gerätemanagement, der funkbasierten Fernauslesung und der Abrechnung. Die ersten beiden Bereiche   sind hochkomplex, sie erfordern spezielles Know-how und den Einsatz dafür ausgelegter Systeme. Außerdem profitiert ein großer Messdienst von Kostenvorteilen, da er bei der Geräteanschaffung  Mengenvorteile geltend machen und aufgrund sehr hoher Durchsatzraten viel produktiver arbeiten kann. Deshalb die Lösung mit dem Partner, der im Hintergrund das komplette Gerätemanagement und die Ablesung übernimmt.“ Mit ihrem arbeitsteiligen White-Label-Produkt räumen die Haller für andere Stadtwerke also zwei hohe Markteinstiegshürden aus dem Weg. Die zweite grundsätzliche Frage lautet: Was hat Minol, eigentlich Konkurrent der Stadtwerke, von der Kooperation? „Nun, der Messdienst  gewinnt dadurch Kunden, die er allein nicht erreichen würde. Zielkunden sind insbesondere kommunale Wohnungsbaugesellschaften und andere lokal verankerte, meist kleinere Immobilienbetreiber. Natürlich besteht – insbesondere im Südwesten Deutschlands, wo Minol besonders stark aufgestellt ist – im Einzelfall die Gefahr eines Interessenkonfliktes. Aber im großen Rest von Deutschland, wo Wettbewerber von Minol den Markt dominieren, eröffnet sich die Chance, Marktanteile hinzuzugewinnen. Das Risiko, sich selbst zu kannibalisieren, ist für Minol deutlich geringer als die Wahrscheinlichkeit, zusätzliches Geschäft zu generieren“, bringt Marktexperte Weber die Interessenslage auf den Punkt.

Kooperation ermöglicht bundesweiten Markteintritt


Ronald Pfitzer, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall, begründet die Partnerwahl so: „Minol ist für uns der ideale Partner, weil er sich bei der Schnittstellenkonfiguration als sehr flexibel erwiesen hat, modernste Kommunikationstechnik im Bereich Submetering und Digitalisierung der Wohnungswirtschaft mitbringt und uns als bundesweit tätiger Player einen deutschlandweiten Markteintritt. ermöglicht.“ Auch Zeljko Petrina, Geschäftsführer der Minol Messtechnik W. Lehmann GmbH & Co. KG, erwartet eine erfolgreiche Zusammenarbeit. „Wir freuen uns, dass wir die Stadtwerke Schwäbisch Hall mit unserer Innovationsstärke und unserem Lösungsportfolio überzeugen konnten.“ Olaf Polak, Geschäftsführer der Somentec Software GmbH, Langen, weist auf die Vorteile des White-Label-Modells hin: „Auf Basis unserer partnerschaftlich realisierten Lösung kann ein Stadtwerk oder Energieversorger kurzfristig und mit marginalen Implementierungskosten in den Vertrieb der  Dienstleistung Heizkostenabrechnung einsteigen und mit wenigen Wohnungseinheiten starten. Aus unserer Sicht ergibt sich eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Die Versorger können schrittweise ein neues Geschäftsfeld aufbauen. Minol gewinnt den Zugang zu Kundensegmenten, die für das  Unternehmen sonst eher nicht erreichbar wären. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall erweitern ihr Dienstleistungsportfolio. Und wir profitieren davon, indem wir unsere Software als Plattform zur Verfügung stellen.“

Vielversprechendes Marktpotenzial


Das Marktpotenzial – das haben die Haller per Marktanalyse genau untersucht – ist vielversprechend. Im Verband der Deutschen Immobilienverwalter sind 2 600 Hausverwaltungen mit 5,9 Millionen  Nutzungseinheiten organisiert. Davon verwalten 58 % weniger als 1 000 Nutzungseinheiten und nur 18 % mehr als 3 000 Nutzungseinheiten. „Wir gehen davon aus, dass es in Deutschland insgesamt mehr als 10 000 Hausverwaltungen gibt“, so Matthias Knödler, Bereichsleiter Energiewirtschaft der Stadtwerke Schwäbisch Hall. „Die nicht organisierten Hausverwaltungen sind im Durchschnitt deutlich kleiner, sehr wahrscheinlich teils weit unter 1 000 Nutzungseinheiten. Da diese kleineren Hausverwaltungen ganz überwiegend regional agieren, können Stadtwerke sie gut adressieren.“

Weitere Informationen auf www.machen-lassen.de.

Dieser Fachartikel wurde exklusiv für die BWK 04/19 verfasst.